Freie Trauung 2.0. Warum manche Paare sich 20 Jahre später nochmal bewusst füreinander entscheiden
- Nicky

- 17. Mai
- 6 Min. Lesezeit
Was für ein spannendes Thema.
Ganz ehrlich, eigentlich habe ich mich erst in den letzten Tagen bewusst intensiver damit beschäftigt. Nicht, weil ich noch nie ein erneutes Ja-Wort begleitet hätte. Sondern weil ich gleich zwei Anfragen genau zu diesem Thema hatte und plötzlich gemerkt habe, wie unterschiedlich eine freie Trauung doch sein kann.
Denn eine freie Trauung mit einem jungen, noch unverheirateten Paar fühlt sich oft ganz anders an als eine Erneuerung des Eheversprechens nach 10, 20 oder vielleicht sogar 30 gemeinsamen Jahren.
Die Gespräche davor sind anders. Die Fragen, die ich stelle, sind andere. Auch die Rede selbst entsteht völlig anders. Schließlich erzählt man nicht von einem „Was kommt noch?“, sondern von einem „Was haben wir schon gemeinsam getragen?“
Und genau das fand ich plötzlich unglaublich spannend, denn wenn ich ehrlich bin, habe ich mich bisher nie so tief mit diesem Thema beschäftigt. Dabei steckt darin so viel Schönes, Echtes und manchmal wahrscheinlich auch ziemlich Bewegendes.
Also schauen wir uns das doch mal gemeinsam an.
Eine Frage, die in den letzten Tagen tatsächlich gleich mehrfach bei mir ankam und mich gleichzeitig verblüfft, aber auch zu diesem Blog inspiriert hat, war diese:
„Hey Nicky, kannst du uns auch nach 30 Jahren nochmal trauen? Kann man mit dir das Eheversprechen erneuern oder machst du nur junge Ersttäter?“
Ich liebe an meinem Beruf vor allem eines, dass keine Geschichte der anderen gleicht.
Mal darf ich junge Paare begleiten, mal gleichgeschlechtliche Paare, Menschen mit Handicap oder eben Paare, die nach vielen gemeinsamen Jahren sagen: „Wisst ihr was? Wir würden uns nochmal füreinander entscheiden.“

Warum Paare sich nach 10, 20 oder 30 Jahren nochmal bewusst füreinander entscheiden
Ganz ehrlich? Ich persönlich kann diese Frage ziemlich leicht beantworten. Ich weiß aber auch, dass es Menschen gibt, die mit der Erneuerung des Eheversprechens nicht viel anfangen können.
Dieses klassische: „Ich habe vor 20 Jahren Ja gesagt, sollte sich daran etwas ändern, werde ich es schon sagen.“
Und wisst ihr was? Auch das ist völlig okay.
Es ist ein bisschen wie bei Paaren, die sagen: „Uns reicht das Standesamt. Das ganze Drumherum brauchen wir nicht.“ Am Ende sind es einfach zwei unterschiedliche Sichtweisen auf Liebe, Beziehung und das gemeinsame Leben. Ich persönlich gehöre vermutlich ziemlich eindeutig zur Kategorie romantisch verträumt. Nicht kitschig, aber definitiv jemand, der hinter kleinen Gesten, Erinnerungen und gemeinsamen Wegen Bedeutung sieht. Denn wenn wir mal ehrlich sind, im Grunde sagen wir doch nicht nur einmal Ja zueinander.
Wir tun es jeden Tag ein kleines bisschen.
In guten Zeiten. In stressigen Zeiten. Nach Streit. Nach Veränderungen. Zwischen Alltag, Kindern, Arbeit, Chaos und all den Dingen, die das Leben eben mit sich bringt. Und je länger man gemeinsam unterwegs ist, desto größer wird dieser Gedanke eigentlich.
Denn Beziehungen entwickeln sich. Menschen verändern sich. Das Leben verändert sich.
Und genau deshalb finde ich den Gedanken an eine Erneuerung des Eheversprechens so schön.
Nicht als großes Spektakel. Nicht als „Jetzt heiraten wir nochmal“.
Sondern vielmehr als bewusstes Innehalten. Als ein: „Wir haben schon so viel gemeinsam erlebt, uns verändert, Dinge getragen, Höhen und Tiefen ausgehalten und genau deshalb entscheiden wir uns heute nochmal bewusst füreinander.“
Denn irgendwann geht es vielleicht nicht mehr nur um:
„Wir lieben uns und wollen den Rest unseres Lebens miteinander verbringen.“
Sondern eher um:
„Wir haben schon so viel gemeinsam erlebt. Und genau deshalb wollen wir hier weitermachen.“
Je länger ich mich mit diesem Thema beschäftigt habe, desto öfter habe ich gemerkt: Die eigentliche Frage ist oft gar nicht, ob man sein Eheversprechen erneuern kann. Sondern eher, wie macht man das eigentlich?
Wie läuft eine Erneuerung des Eheversprechens eigentlich ab?
Zunächst einmal die gute Nachricht, es gibt keine Regeln und genau das liebe ich an freien Trauungen vermutlich am meisten.
Ihr müsst nicht nochmal „klassisch heiraten“. Kein Standesamt, kein Muss, kein „So macht man das eben“. Eine Erneuerung des Eheversprechens darf genauso aussehen, wie ihr euch heute als Paar fühlt. Ganz klein und intim. Nur zu zweit. Mit euren Kindern. Im eigenen Garten. Bei einer großen Feier zum Hochzeitstag oder vielleicht an einem Ort, der euch verbindet. Und genau darin liegt die eigentliche Schönheit.
Denn anders als bei einer ersten freien Trauung geht es hier oft nicht mehr nur um die Frage: „Wer seid ihr und was wünscht ihr euch für eure Zukunft?“
Sondern vielmehr um: „Was habt ihr eigentlich schon alles gemeinsam getragen?“
Die Gespräche zwischen mir und meinen Pärchen verändern sich dadurch automatisch.
Es geht plötzlich um Erinnerungen. Um gemeinsame Kapitel. Vielleicht und oft auch um schwere Zeiten, die man zusammen gemeistert hat. Um Veränderungen, die man gemeinsam ausgehalten hat.
Um dieses stille Wissen: „Wir haben uns nicht nur einmal füreinander entschieden. Sondern immer wieder.“ Genau deshalb entstehen daraus oft ganz andere Reden, viel
Tiefere, Persönlichere und manchmal wahrscheinlich auch ein kleines bisschen emotionalere.
Für wen ist eine Erneuerung des Eheversprechens eigentlich etwas?
Ganz ehrlich? Ich glaube nicht, dass es dafür eine feste Regel gibt, aber ich glaube, es gibt bestimmte Momente im Leben, in denen sich ein erneutes Ja-Wort plötzlich unglaublich richtig anfühlen kann. Vielleicht nach 10, 20 oder 30 gemeinsamen Jahren.
Vielleicht zum Ehejubiläum. Vielleicht, weil damals bei der ersten Hochzeit alles schnell gehen musste, wenig Zeit, kleines Budget, kleine Kinder oder einfach andere Umstände, oder vielleicht auch, weil das Leben euch zwischendrin ordentlich geprüft hat. Krisen, Veränderungen, Krankheiten, Verlust, Zeiten, in denen Beziehung nicht romantisch, sondern einfach nur Arbeit war.
Arbeit die einen dann dazu bringt zu sagen:
„Eigentlich haben wir uns nochmal bewusst füreinander entschieden.“
Manche Paare machen es auch ganz ohne großen Anlass.
Einfach, weil sie Lust haben, sich nochmal bewusst Zeit füreinander zu nehmen und vor ihren Lieblingsmenschen zu sagen: „Ich würde dich wieder wählen.“
Und ganz ehrlich?
Ich finde, dafür braucht es manchmal gar keinen besonderen Grund. Außer vielleicht die Erkenntnis, nach all den Jahren fühlt es sich immer noch richtig an.
Muss man dafür nochmal heiraten?
Nein, das müsst ihr natürlich nicht. Kein erneuter Gang zum Standesamt, keine Formulare, keine neue Runde deutsche Bürokratie. Eine Erneuerung des Eheversprechens ist keine Pflichtveranstaltung, sondern vielmehr eine bewusste Entscheidung von euch, wir möchten uns nochmal Zeit füreinander nehmen.
Den Rahmen gebt ihr vor, genauso die Geschichte, denn die bringt ihr ohnehin schon mit. Eure Traurednerin oder euer Trauredner macht daraus später etwas, das man fühlen kann. Worte, Erinnerungen und eine Zeremonie, die genau zu euch passt.

Und wo macht man sowas denn eigentlich?
Die einfachste und ehrlichste Antwort darauf lautet eigentlich, da, wo es sich nach euch anfühlt. Da, wo ihr euch wohlfühlt, wo ihr gerne seid, wo eure Geschichte vielleicht sowieso schon stattfindet.
Genau das macht die Erneuerung eines Eheversprechens oft so schön unkompliziert, denn anders als bei einer ersten Hochzeit gibt es meist deutlich weniger Rahmenbedingungen. Kein Termin, der sich nach dem Standesamt richten muss, weniger Druck oft eine kleinere Feier und manchmal auch einfach die ganz bewusste Entscheidung.
„Wisst ihr was? Wir machen das genau so, wie es zu uns passt.“
Ganz leger im eigenen Garten, im kleinen Kreis. Vielleicht mit einem langen Tisch, gutem Essen und Menschen, die euch wirklich wichtig sind. Und wenn ich an der Stelle ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern darf, die Erneuerung eines Eheversprechens hat mich tatsächlich viel öfter an private Seen, in verwunschene Gärten, urige Ecken oder zu Motto-Partys mit ganz viel Persönlichkeit geführt als manche klassische Hochzeit.
Gerade rund um Reutlingen, auf der Schwäbischen Alb oder Richtung Ulm durfte ich schon an wunderschönen Privatseen, auf Booten, kleinen Schlösschen oder mitten in traumhaften Apfelwiesen begleiten.
Je länger ich über dieses Thema nachdenke, desto mehr erreicht es mich. Der Gedanke, sich nach all den Jahren nochmal bewusst füreinander zu entscheiden, nach Höhen und Tiefen, nach Veränderungen und all den Momenten, die man gemeinsam getragen hat, macht mich ehrlich gesagt weich.
Weil darin etwas unglaublich Echtes steckt. Denn eine lange Partnerschaft besteht nicht nur aus den schönen Momenten. Sie besteht aus allem, was dazwischen passiert. Aus dem stillen Durchhalten. Aus dem „Wir bleiben trotzdem."
Zu meinen Paaren sage ich immer einen Satz:
Wer an den Punkt kommt heiraten zu wollen, der war nicht nur auf Wolke 7 unterwegs. Der hat auch mal auf Wolke 1 gedümpelt oder ist kurz völlig übermotiviert auf Wolke 10 gerast.
Und genau das ist Leben, dass sind die Zeilen, die zwischen zwei Menschen geschrieben werden. Nicht nur die schönen Bilder, sondern die schweren Kapitel. Das Wachsen. Das Wiederfinden.
Deshalb berührt mich eine Erneuerung des Eheversprechens so sehr, weil man damit all das kurz ins Licht rückt. Nicht perfekt. Nicht aufgehübscht. Sondern genau so, wie es war. Echt und genau deshalb voller Liebe.
Und falls ihr gerade leise darüber nachdenkt, euch nach all den Jahren nochmal bewusst Ja zu sagen, dann meldet euch einfach. Ganz unkompliziert. Ich höre mir Geschichten, die schon ein bisschen Leben erlebt haben, besonders gern an.
Grüße Eure Nicky




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